AT-OeStA/HHStA SB NL Baernreither Nachlass Joseph Baernreither, 1845-1925 (Bestand)

Archivplan-Kontext


Angaben zur Identifikation

Signatur:AT-OeStA/HHStA SB NL Baernreither
Titel:Nachlass Joseph Baernreither
Entstehungszeitraum:1845 - 1925
Stufe:Bestand

Angaben zum Umfang

Anzahl:55
Archivalienart:Akten und Geschäftsbücher

Angaben zum Kontext

Verwaltungsgeschichte:Baernreither wurde am 12. April 1845 in Prag geboren. 1871 wurde er an der deutschen Universität seiner Vaterstadt zum Doktor beider Rechte promoviert, worauf er zunächst beim Prager Handelsgericht, dann beim Strafgericht Prag Dienst tat. Nach der Richteramtsprüfung wurde Baernreither zum Landesgericht in Zivilsachen in Prag versetzt. Im Frühjahr 1874 vertauschte er diese Stelle mit der eines provisorischen Gerichtsadjunkten in Reichenberg. 1875 wurde er nach kurzer Dienstleistung beim Landesgericht in Prag in das Justizministerium einberufen. 1883 wurde Baernreither in den böhmischen Landtag, bald darauf auch in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates gewählt. Zu dieser Zeit schied er aus dem Justizministerium, um als Rat beim Wiener Landesgericht einzutreten. Nach zweijähriger Tätigkeit gab er diese Stellung auf, um sich ganz dem parlamentarischen Beruf widmen zu können. Im Klub des verfassungstreuen Großgrundbesitzes, ja innerhalb der vereinigten deutschen Linken spielte Baernreither bald eine bedeutende Rolle. Seine Verdienste um die Reform des österreichischen Gerichtsverfahrens schoben ihn bald in die erste Reihe der Abgeordneten. Am 7. März 1898 übernahm er im Ministerium Thun-Hohenstein das Handelsportefeuille als Vertrauensmann des verfassungstreuen Grundbesitzes, musste es aber, als dieser in Opposition trat, am 3. Oktober wieder zurücklegen. Die Zerrüttung der parlamentarischen Verhältnisse bewog ihn, sich in dem Lustrum von 1900 bis 1905 vornehmlich mit den Verhältnissen seines Geburtslandes, vor allem mit dem nationalen Ausgleich in Böhmen, zu beschäftigen. Daneben wandte er in Schrift und Tat dem Kinderschutz seine Aufmerksamkeit zu; der erste Kinderschutzkongreß zu Salzburg im Jahre 1907 war sein Werk. 1907 wurde Baernreither in das Herrenhaus des österreichischen Reichsrates berufen, in welchem er sich der verfassungstreuen Linken anschloss. Das Scheitern der böhmischen Ausgleichsverhandlungen veranlasste ihn, seine Tätigkeit nunmehr der äußeren Politik und den gemeinsamen Angelegenheiten der Monarchie zu widmen, was ihm seine ständige Zugehörigkeit zur Delegation erleichterte. Er rang sich zu der Erkenntnis durch, dass die Lösung der südslawischen Frage für den Bestand der Monarchie von wesentlicher Bedeutung sei. Er galt als der beste Kenner Bosniens. Vom 20. Dezember 1916 bis 23. Juni 1917 gehörte er abermals als Minister ohne Portefeuille der Regierung an; in dieser Stellung erwarb er sich große Verdienste um die soziale Fürsorge. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie zog sich Baernreither als stiller, aber achtsamer Beobachter der politischen und gesellschaftlichen Vorgänge zurück. Hochbetagt ist er am 19. September 1925 zu Teplitz gestorben.
Archivierungsgeschichte:In seinem Testament setzte Baernreither den damaligen Direktor des St.A. Freiherrn von Mitis, den ehemaligen k. k. Handelsminister Karl Urban und den ehemaligen k. k. Finanzminister Joseph Redlich als Erben seines beträchtlichen und wertvollen schriftlichen Nachlasses mit Ausnahme seiner privaten Papiere ein, welche er seinen Erben überließ. Zugleich traf er die Anordnung, dass der Nachlass mit Ausnahme der letztgenannten Papiere im St.A. verwahrt werde und unter bestimmten Bedingungen veröffentlicht werde. Hiefür widmete er einen Fonds, dessen allfälliger Überschuss wissenschaftlichen Arbeiten zur Geschichte Österreich-Ungarns in den Jahren 1815-1914 zugeführt werden sollte. Die Inflationszeit hat ihn stark entwertet. Im Herbst 1925 wurde der Nachlass in das St.A. gebracht und von Mitis einer ersten Ordnung unterzogen. Der Baernreither Fonds wurde 1938 von den Nationalsozialisten aufgelöst.

Angaben zur Benutzung

Zugangsbestimmungen:Der Bestand ist gemäß Bundesarchivgesetz (BGBl. I/162/1999) in Zusammenhang mit der Benutzerordnung des Österreichischen Staatsarchivs in der jeweils gültigen Fassung zugänglich.
Sprache:Deutsch
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:keine
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.1955
Erforderliche Bewilligung:Keine
Physische Benützbarkeit:Uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://www.archivinformationssystem.at/Detail.aspx?ID=1229
 

Social Media

Weiterempfehlen
 
Startseite|Anmelden|de en fr it nl
Online Recherchen in den Archivbeständen