AT-OeStA/KA Marine Kriegsmarine (Marine), 18. Jh. - 20. Jh. (Bestandsgruppe)

Archivplan-Kontext


Angaben zur Identifikation

Signatur:AT-OeStA/KA Marine
Titel:Kriegsmarine (Marine)
Entstehungszeitraum:18. Jh. - 20. Jh.
Stufe:Bestandsgruppe

Angaben zum Umfang

Anzahl:23000

Angaben zum Kontext

Archivierungsgeschichte:Das erste Interesse zur Archivierung von Schriftgut der k.k. Kriegsmarine findet sich bereits kurz nach 1814, als Österreich zum zweiten Male Herr von Venedig geworden war und dies bis 1866 bleiben sollte. Daneben entstanden, nach 1848, an mehreren anderen maritim interessanten Orten eigene Archive, wie in Pola und bei den Zentralstellen in Wien. Mehrere Versuche zur Vereinigung dieser Archive mit dem Kriegsarchiv zeigten einerseits wohlwollendes Entgegenkommen, andererseits die auch sonst immer wieder spürbare Distanz der Marine zum Landheer. Die eigentlichen Beratungen zur Gründung eines Marine-Zentralarchivs setzten erst 1879 ein, wobei man wiederum auf die Problematik einer Verbindung mit dem Kriegsarchiv kam. Deshalb wurde es, nach einem einzigartigen Vorstoß des provisorischen Seebezirkskommandanten von Triest, Linienschiffskapitän Johann Pauer von Budahegy, welcher die Gründung eines Marine-Zentralarchivs noch im gleichen Jahr zum Ziel hatte und dazu auch gleich konkrete Vorstellungen einbrachte, in Wien noch einmal sehr still. Man ließ sich mit einer Stellungnahme reichlich Zeit, weshalb Triest 1880 nochmals einen Vorstoß wegen der Problematik der Archivräume, der Schwierigkeiten der Erhebungen und der am Archivort ständig drohenden Feuergefahr unternahm. Dennoch sollte es formell zumindest noch bis zum 5. Jänner 1884 dauern, bis die Marinesektion des Kriegsministeriums die Errichtung eines Marinearchivs in Triest verfügte. Nach der Gründung erfolgte sukzessive die Ablieferung und Überführung der weit verstreuten Archivbestände nach Triest, wobei die Akten mehr als 32 Jahre alt sein mussten und vor der Abgabe einer kritischen Skartierung zu unterziehen waren. Im Zuge der Fertigstellung des neuen Gebäudes der Marinesektion des k.u.k. Kriegsministeriums in der Marxergasse in Wien übersiedelte auch das Marine-Zentralarchiv im Jahre 1908, wo es letztendlich auch das Ende des Ersten Weltkrieges und der Monarchie erlebte. In weiterer Folge wurde es 1920 formell dem Kriegsarchiv angegliedert, doch gelangten ab diesem Zeitpunkt erst Zug um Zug einzelne Teilbestände an den neuen Ort. 1930 wurde schließlich die Masse der Bestände von der Marxergasse in die Stiftkaserne überführt. Bei den Marineakten handelte es sich übrigens nur um jene Unterlagen, die sich auf dem Staatsgebiet der späteren Republik Österreich befunden hatten. Bereits acht Jahre später, nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, löste man das Marinearchiv aus dem inzwischen zum "Heeresarchiv" mutierten Kriegsarchiv wieder heraus. Gemäß der Gliederung der Wehrmachtsteile war das Archiv danach Teil der Deutschen Kriegsmarine und wurde, obwohl es räumlich in der Stiftgasse verblieb, erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in das Kriegsarchiv übernommen.
Aus Pola, um hier diesen wohl wichtigsten Küstenort der k.u.k. Kriegsmarine zu nennen, gelangten die Archivalien folgender Bereiche definitiv nicht nach Wien: Flottenkommando 1914-1918, Hafenadmiralat Pola 1880-1918, Marinetechnisches Komitee, Marineevidenzbüro, Telegraphenbüro, sämtliche Marinedienststellen im Bereich des Kriegshafens Pola (u.a. Marinemuseum), Seearsenalskommando 1880-1918, Marinefeldpostamt Pola 1915-1918, Leitung des Unterseebootwesens, Kommando des Seefliegerkorps sowie die Unterseebootsstationskommando Pola (Auch die Akten des Unterseebootsstationskommandos Golf von Cattaro gelangten niemals nach Wien). Zu diesen Dienststellen an Land kommen diejenigen "zur See" hinzu, wenngleich anzunehmen ist, dass sich auch deren Registraturen an Land befanden: Sämtliche Höhere Organisationsverbände
(Geschwader-, Divisions- und Flottillenkommanden) für den Zeitraum 1914-1918 sowie die Schiffsakten für diesen Zeitraum (Die gesamten auf den Schiffen und Fahrzeugen bzw. in Pola befindlichen Registraturen). Die Abgaben an die Nachfolgestaaten der Donaumonarchie nach dem Ersten Weltkrieg beschränkten sich auf Personalunterlagen, deren weiteres Schicksal allerdings unbekannt ist.

Angaben zu Inhalt und Struktur

Ordnung und Klassifikation:Der Aktenbestand der k. (u.) k. Kriegsmarine beginnt im wesentlichen erst mit der Erwerbung Venedigs 1797 bzw. mit der Einrichtung eines Kriegs- und Marineministeriums unter Erzherzog Carl im Jahre 1801. Für die Zeit davor sind grundsätzlich andere Quellen des Kriegsarchivs (Hofkriegsrat, Commercialia usw.), aber auch des Hofkammerarchivs und des Haus-, Hof- und Staatsarchivs heranzuziehen.
Das im Kriegsarchiv vorhandene Aktenmaterial teilt sich in drei Gruppen:
1. in das "Ältere Marinearchiv" aus der Periode bis 1809 (Akten des Marinedepartements, Alte Schiffsakten und sonstige Akten)
2. in das "Alte Marinearchiv", das den Zeitraum von der Wiedergewinnung Venedigs im Jahre 1814 bis zum Jahre 1863 abdeckt und
3. in das "Neue Marinearchiv", das die Archivalien des darauffolgenden Zeitraumes bis zum Jahre 1918 bzw. jene aus der Liquidierungsphase bis 1923 umfasst.
Die Einteilung des Schriftgutes in die drei Gruppen ist jedoch nicht exakt an die Jahresgrenzen gebunden, so dass Bestände des alten Archivs in das neue reichen und umgekehrt oder sich sogar über alle drei Gruppen erstrecken können.
Der Gesamtbestand des Marinearchivs beläuft sich auf etwa 23.000 Kartons, 3.500 Geschäftsbücher sowie 50.000 Pläne, Karten und Fotos.

Angaben zu verwandtem Material

Verwandtes Material:Für die Zeit vor 1797 bzw. vor 1801, vor allem für die Triestiner Marine, sind die Quellen im Archiv des Hofkriegsrates, in den Musterlisten sowie in den an Jugoslawien abgetretenen Bestand Commercialia (Akten des Commercien(ober)direktoriums und des Commercienrates 1751-1776) zu suchen. Das gleiche gilt für die Tschaikisten, die Donau- und die übrigen Binnenflottillen bis zur Übernahme durch die Kriegsmarine 1860. Hiefür kommen der Hofkriegsrat und das Kriegsministerium in Betracht, wobei sich allerdings gewisse Überschneidungen mit dem Alten Marinearchiv ergeben. Da das Marine-Oberkommando erst 1856 zur selbständigen Zentralstelle erhoben wurde und bis dahin dem Hofkriegsrat bzw. dem Kriegsministerium (Armee-Oberkommando) unterstand, müssen bei Forschungen zur Marinegeschichte immer auch die Registraturen dieser Behörden (alle im Kriegsarchiv) herangezogen werden. Ferner ist zu beachten, dass die Marinesektion erst 1868 ihre (fast) vollständige Unabhängigkeit vom Kriegsministerium erreichte. Ebenso bieten die Archive der Militärkanzlei des Kaisers und derjenigen des Thronfolgers selbst noch für die spätere Zeit Material für die Geschichte der Kriegsmarine. In Fragen der Militärpolitik, der Reichsverteidigung, des Wehrsystems, des Rekrutenkontingentes, der Bewaffnung, des Budgets usw. wird man sich ebenfalls nicht mit den Beständen des Marinearchivs begnügen können.
Veröffentlichungen:Inventar 2, S. 52-68. - Walter Wagner, Die obersten Behörden der k.u.k. Kriegsmarine von 1856-1918. Wien 1961 (Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs Ergänzungsband 6); ders., Das Archiv der k. u. k. Kriegsmarine im Kriegsarchiv. In: Österreich zu See Wien 1980 (Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums-Militärwissenschaftlichen Instituts 8), S. 91-107; Peter Jung, Archivalien auf Tauchstation. Tatsächliche und vermeintliche Aktenverluste der k.u.k. Kriegsmarine nach 1918. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49 (2001), S. 161-182; Christoph Tepperberg, Die Musterungs- und Standesakten der k.k. Armee am Beispiel der Ersten Triester Marine 1786-1797. In: Scrinium, Heft 38, Wien 1988, S. 342-353; Karl Rossa, Die "Marineakten" in der Präsidialreihe des Hofkriegsrates. In: Scrinium, Heft 38, Wien 1988, S. 338-341.
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:keine
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.2030
Erforderliche Bewilligung:Keine
Physische Benützbarkeit:Uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=4941
 

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