AT-OeStA/HHSTA MdÄ Ministerium des Äußern, 1735-1924 (Bestand)

Archivplan-Kontext


Angaben zur Identifikation

Signatur:AT-OeStA/HHSTA MdÄ
Titel:Ministerium des Äußern
Entstehungszeitraum:1735 - 1924
Entstehungszeitraum, Anm.:Zum Kernzeitraum 1848-1918 kommen im Bereich der Zentralstelle Vorakten bis 1830 (und vereinzelt noch weiter zurück) aus den Registraturen der Staatskanzlei hinzu. Der Bestand Informationsbüro umfasst auch gleichartige Serien aus der Zeit 1791-1848. Nach 1918 sind nur mehr vereinzelt Akten vorhanden (z.B. in Personalakten). Das Zeitungsarchiv reicht bis 1929.
Stufe:Bestand

Angaben zum Umfang

Anzahl:15150
Archivalienart:Akten und Geschäftsbücher

Angaben zum Kontext

Verwaltungsgeschichte:Im Zuge der Revolution des Jahres 1848 und ihrer konstitutionellen Errungenschaften wurde die Geheime Haus-, Hof- und Staatskanzlei in ein Ministerium des Kaiserlichen Hauses und des Äußern umgewandelt, das bis zum Ende der Monarchie 1918 bestand. Das Ministerium gliederte sich in die Zentralleitung in Wien und die Gesandtschaften und Konsulate im Ausland. Daneben bestanden noch das Konsularobergericht in Konstantinopel und - im Ersten Weltkrieg - Vertretungen bei militärischen Stellen und in besetzten Gebieten. Die Zuständigkeit des Ministeriums umfasste die Vertretung der Interessen und Rechte des Staates und seiner Bürger gegenüber auswärtigen Staaten und alle sich daraus ergebenden Agenden. Mit dem Ausgleich von 1867 ergaben sich weitere Aufgaben aus der nunmehrigen Stellung als k.u.k. gemeinsames Ministerium, etwa bezüglich des Gemeinsamen Ministerrates oder der Delegationen. Über die Dependenzen Orientalische Akademie (Konsularakademie) und Haus-, Hof- und Staatsarchiv übte das Ministerium die Dienstaufsicht aus. Zu den bisher erwähnten typischen Aufgaben eines Außenministeriums traten als Besonderheit, die den Minister des Äußern rangmäßig vor alle anderen Minister stellte, die Agenden eines Hausministeriums hinzu. Zu verstehen sind darunter die staats- und familienrechtlichen Angelegenheiten der Familie Habsburg-Lothringen, also betreffend die staatsrechtliche Stellung und das Familienstatut, Finanz- und Ehesachen, Geburten, Todesfälle etc.
Organisatorisch änderte sich 1848 kaum etwas: Die schon in der Staatskanzlei geschaffenen Einrichtungen blieben im Wesentlichen bis 1918 bestehen. Seit Metternich trennte man bei der Bearbeitung der äußeren Angelegenheiten stets politische von administrativen Geschäften, wobei die Agenden Pressewesen, Kirchenpolitik, Polizei und Handel zeitweise "politisch" und zeitweise "administrativ" bearbeitet wurden. Zumeist gab es eine politische Sektion, in der sogenannte Referate die Angelegenheiten der hohen Diplomatie aufgeteilt nach geographischen Ländergruppen bearbeiteten, und eine administrative Sektion, in der sogenannte Departements die sonstigen Geschäfte besorgten. Dazu kam ein Kabinett des Ministers. Anhand von insgesamt acht Geschäftsordnungen zwischen 1848-1918 kann man die zeitweiligen Veränderungen bei Anzahl und Bezeichnung der Großabteilungen nachvollziehen, wobei die Grundstruktur bestehend aus Referaten und Departements immer erkennbar bleibt.
Archivierungsgeschichte:Siehe die Ausführungen bei den einzelnen Beständen.

Angaben zu Inhalt und Struktur

Inhalt:Politisches Archiv
Administrative Registratur
Informationsbüro
Literarisches Büro/Presseleitung
Zeitungsarchiv
Fonde
Delegationen

Der Bestand Ministerium des Äußern im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, abgekürzt MdÄ, umfasst - im Unterschied zu den Archiven der einzelnen Gesandtschaften und Konsulate - die Registratur der Zentralleitung des Ministeriums des Kaiserlichen Hauses und des Äußern in Wien. Da die außenpolitischen Agenden seit jeher - im Wesentlichen nur unter Staatskanzler Kaunitz nicht - nach politischen und administrativen Gegenständen getrennt wurden, gliedern sich folgerichtig auch die Dokumente der Gruppe MdÄ in ein Politisches Archiv (PA), in welchem die Dokumente zur hohen internationalen Diplomatie aufgewahrt werden, und eine Administrative Registratur (AR), in der die vielfältigsten Betreffe aus nahezu allen Gebieten der Staatsverwaltung in ihren Berührungspunkten mit den internationalen Beziehungen vertreten sind. In die AR eingereiht sind auch die staats- und familienrechtlichen Angelegenheiten des Kaiserhauses und jene Akten, die aus der Dienstaufsicht des Ministeriums über die Orientalische Akademie (Konsularakademie; siehe auch deren eigenes Archiv in der Gruppe Sonderbestände) und das Haus-, Hof- und Staatsarchiv erwuchsen.
Zu den beiden großen Beständen PA und AR kommen innerhalb der Gruppe Ministerium des Äußern noch einige kleinere hinzu, die sich aus der (zeitweisen) organisatorischen Sonderbehandlung wichtiger Gegenstände ergeben: Der Bestand Informationsbüro (IB) enthält höhere, geheimere Polizeigegenstände. Inhaltlich ist darunter der Schriftwechsel mit dem schon früh existierenden staatspolizeilichen Informationsdienst des Ressorts im Ausland zu verstehen, der Berichte zu Personen lieferte, die politisch verdächtig waren. Unter dem Sammelbegriff Informationsbüro, einer Institution, die es erst ab 1877 gab, werden im Archiv aus praktischen Gründen mehrere verschiedene, auch wesentlich ältere, hier vereinigte Aktenserien ähnlicher Art zusammengefasst. Zum Teil reichen sie bis 1791 zurück. Auch der Bestand MdÄ, Literarisches Büro/Presseleitung, trägt einen Sammelnamen; er leitet sich von der gleichnamigen Organisation der Jahre 1877-1911 her und und umfasst Presseangelegenheiten von 1864-1918. Mittels eines umfangreichen Nachrichtenapparats sollte die Information der eigenen Mitarbeiter sichergestellt und laufend auf das für die hohe Politik sehr bedeutsame in- und ausländische Pressewesen kontrollierend und lenkend Einfluss genommen werden. Zu diesem Bestand gehört eine Sammlung von Zeitungsausschnitten, geordnet nach Staaten; daneben besitzt das Haus-, Hof- und Staatsarchiv noch das sogenannte Zeitungsarchiv, eine im Pressedepartement des Ministeriums des Äußern angelegte Sammlung von Zeitungsausschnitten vor allem inländischer Blätter aus den Jahren 1908-1918. Unter dem Namen MdÄ, Fonde, wurden erst kürzlich Kassabücher und Quittungen von Geheim- und Dispositionsfonden diverser politischer und administrativer Abteilungen des Ministeriums des Äußern aus den Jahren 1869–1919 zusammengefaßt. Einen eigenständigen, den Akten des Ministeriums des Äußern hinzugefügten Bestand bildet die Registratur der Delegationen des österreichischen Reichsrates und des ungarischen Reichstages (1868-1919), die in einem Zimmer des Ministeriums hinterlegt worden war und von diesem 1920 dem Staatsarchiv übergeben wurde.

Angaben zur Benutzung

Zugangsbestimmungen:Der Bestand ist gemäß Bundesarchivgesetz (BGBl. I/162/1999) in Zusammenhang mit der Benutzerordnung des Österreichischen Staatsarchivs in der jeweils gültigen Fassung zugänglich.
Sprache:Deutsch, Französisch
Findhilfsmittel:Archivbehelfe der Signatur VI
Die Verzeichnisse zum Politischen Archiv und zur Administrativen Registratur liegen in etwas verkürzter Version auch gedruckt vor (siehe Veröffentlichungen).

Angaben zu verwandtem Material

Orginale (Existenz, Aufbewahrungsort):Als Ergänzung sind in erster Linie die Gesandtschafts- und Konsulatsarchive des Haus-, Hof- und Staatsarchivs heranzuziehen, da sie Dokumente aus ein- und derselben Korrespondenz zwischen Ministerium und auswärtigen Vertretungen bieten: Den Originalen der Berichte (der Vertretungen an das Ministerium) und Konzepten der Weisungen (des Ministeriums an die Vertretungen) stehen dort - sozusagen komplementär - die Konzepte der Berichte und Originale der Weisungen gegenüber. Aufgrund von Voraktensammlungen und Überschneidungen bis circa 1860 bei den administrativen Akten sind innerhalb des Haus-, Hof- und Staatsarschivs weiters die Bestände der Gruppen zur Außenpolitik vor 1848 heranzuziehen, im Bereich des Informationsbüros die Akten der Mainzer Zentraluntersuchungskommission (Staatskanzlei, Deutsche Akten). Unter den Vorträgen an den Kaiser im Kabinettsarchiv des Haus-, Hof- und Staatsarchivs finden sich auch zahlreiche der Außenminister, hinsichtlich der Agenden eines Hausministers bieten die Habsburgisch-Lothringischen Familienarchive verwandte Serien. Originale der Staatsverträge liegen in der Allgemeinen Urkundenreihe, in den Sonderbeständen finden sich relevante Nachlässe. Für die Jahre nach 1918 sind die gleichartig gegliederten außenpolitischen Bestände im Österreichischen Staatsarchiv, Archiv der Republik, heranzuziehen.
Zu den Konsulaten (und Handelsbeziehungen) liegen verwandte Akten im Archiv des Handelsministerium im Österreichischen Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungesarchiv, und jenem des Finanzministeriums im Finanz- und Hofkammerarchiv. Hinsichtlich der Informationsbüroakten bieten sich Berührungspunkte in verwandten Serien des Innenministeriums im Allgemeinen Verwaltungsarchiv. Hinsichtlich der häufigen Berührungspunkte anslässlich kriegerischer Auseinandersetzungen - insbesondere bei den umfangreichen Akten des Ministeriums des Äußern zum ersten Weltkrieg - ist das Kriegsarchiv als naheliegende Ergänzung anzusprechen.
Schließlich kommen die Archive aller europäischen (außereuropäischen) Staaten in Betracht, die diplomatische Beziehungen zu Österreich (-Ungarn) unterhielten.
Verwandtes Material:Haus-, Hof- und Staatsarchiv:
Gesandtschafts- und Konsulatsarchive, Staatskanzlei, Staatenabteilungen, Kabinettsarchiv, Habsburgisch-Lothringische Hausarchive, Urkundenreihen, Sonderbestände (Nachlässe, Konsularakademie, Pläne und Karten)

Weitere Abteilungen innerhalb des Österreichischen Staatsarchivs:
Archiv der Republik: Auswärtige Angelegenheiten; Allgemeines Verwaltungsarchiv: Handel, Inneres; Finanz- und Hofkammerarchiv; Kriegsarchiv

Internationale Archive zu den auswärtigen Beziehungen
Veröffentlichungen:(Die hier angeführte Auswahl wurde unter dem Gesichtspunkt der Behandlung des Archivbestandes Ministerium des Äußern im HHStA und des Ministeriums des Kaiserlichen Hauses und des Äußern als Organisationseinheit insgesamt getroffen. Detailstudien sollen bei den einzelnen Unterserien angegeben werden. Siehe auch Gesandtschafts- und Konsulatsarchive.)

Mayr, Josef Karl: Staatskanzlei (Ministerium des Äußern). In: Gesamtinventar des Haus-, Hof- und Staatsarchivs (= Inventare österreichischer staatlicher Archive 5,4, Hg. Ludwig Bittner, Band 1,3, Wien 1936) 400-467.
Stropp, Robert: Die Akten des k.u.k. Ministeriums des Äußern 1848-1918. Politisches Archiv. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20 (1967) 389-506 (Archivbehelf mit einer ausführlichen Einleitung zur Geschäftseinteilung des Ministeriums).
Stropp, Robert: Die Akten des k.u.k. Ministeriums des Äußern 1848-1918. Administrative Registratur. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30 (1977) 398-453, 32 (1979) 306-349, 33 (1980) 356-405 und 34 (1981) 413-456 (Archivbehelf mit einer kurzen Einführung zur Benützung.)
Wiedermayer, Rudolf: Geschäftsgang des k.u.k. Ministeriums des Äußern 1908-1918. In: Archivalische Zeitschrift 40 (1931) 131-152.
Rumpler, Helmut: Die rechtlich-organisatorischen und sozialen Rahmenbestimmungen für die Außenpolitik der Habsburgermonarchie 1848-1918. In: Die Habsburgermonarchie 1848-1918, Bd. 6,1 (Wien 1989) 1-121.
Goldinger, Walter: Die zivile gemeinsame Zentralverwaltung. In: Verwaltung und Rechtswesen (=Die Habsburgermonarchie 1848-1918, Hg. Adam Wandruszka und Peter Urbanitsch, Band 2, Wien 1975) 168-184, besonders 168-175 (Ministerium des Äußern).
Bittner, Ludwig: Das österreichisch-ungarische Ministerium des Äußern, seine Geschichte und seine Organisation. In: Berliner Monatshefte 15 (1937) 819-843.
Engel-Janosi, Friedrich: Der „Ballhausplatz“ 1848-1918. In: ders., Geschichte auf dem Ballhausplatz. Essays zur österreichischen Außenpolitik 1830-1945 (Graz/Wien/Köln 1963) 9-28.
Schmid, Georg: Der Ballhausplatz 1848-1918. In: Österreichische Osthefte 23 (1981) 18-37.
Somogyi, Eva: Zur Reorganisation des Ministeriums des kaiserlichen Hauses und des Äußern in den Jahren 1867-1868. In: Bildungsgeschichte, Bevölkerungsgeschichte, Gesellschaftsgeschichte in den böhmischen Ländern und in Europa, Festschrift für Jan Havranek zm 60. Geburtstag (=Schriftenreihe des Österreichischen Ost- und Südost-Europa-Instituts 14, Hg. Richard Plaschka, Wien/München 1988) 230-243.
Matsch, Erwin: Der Auswärtige Dienst von Österreich (-Ungarn) 1720-1920 (Wien/ Köln/Graz 1986).
Matsch, Erwin: Die Auflösung des österreichisch-ungarischen Auswärtigen Dienstes 1918/1920. In: MÖStA 30 (1977) 288-316.
Agstner, Rudolf: Abschied vom Ballhausplatz. Österreichs Diplomatie übersiedelte nach 286 Jahren. In: Wiener Geschichtsblätter 60,1 (2005) 58-81.
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:keine
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.1954
Erforderliche Bewilligung:Keine
Physische Benützbarkeit:Uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=513
 

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