AT-OeStA/HHStA GKA Gesandtschafts- und Konsulatsarchive, 1617-1920 (Bestand)

Archivplan-Kontext


Angaben zur Identifikation

Signatur:AT-OeStA/HHStA GKA
Titel:Gesandtschafts- und Konsulatsarchive
Entstehungszeitraum:1617 - 1920
Entstehungszeitraum, Anm.:Teilweise reichen die Bestände bis weit in das 18. Jahrhundert, vereinzelt bis in das 17. Jahrhundert zurück. Die überwiegende Mehrheit der Dokumente stammt jedoch aus der Zeit 1848-1918.
Stufe:Bestand

Angaben zum Umfang

Anzahl:13700
Archivalienart:Akten und Geschäftsbücher

Angaben zum Kontext

Verwaltungsgeschichte:Mit dem Ausbau regelmäßiger diplomatischer Beziehungen in der Frühen Neuzeit erfolgte die Ausgestaltung von Vertretungsbehörden. Im Jahr 1720 existierten bereits 19 diplomatische Missionen. Bis zum Ende der Monarchie wurden insgesamt weitere 38 solcher Vertretungen errichtet und 40 aufgehoben, sodass zuletzt 17 k.u.k. diplomatische Missionen bestanden.
Eine halbwegs planmäßige Einrichtung von Konsularämtern begann um die Mitte des 18. Jahrhunderts und konzentrierte sich vorerst auf das Gebiet des Osmanischen Reiches. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aufgrund neuer außen- und handelspolitischer Zielsetzungen der Habsburgermonarchie das Netz von Konsularämtern weltweit und systematisch ausgebaut, wobei der Schwerpunkt im Mittelmeerraum blieb und Konsularämter in Übersee, in Afrika und Ostasien großteils von ehrenamtlichen Honorar-Konsuln besetzt waren. Insgesamt unterhielt Österreich-Ungarn zwischen 1718 und 1918 weltweit 725 Konsulate. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 waren es 474, davon 110 Berufskonsularämter und 364 bloße Honorarkonsulate. (Zum Vergleich: Deutsches Reich 600 Honorarkonsulate, Dänemark 650 !!!) 52 % der Konsulate befanden sich in Europa, 23 % in Lateinamerika, 10 % in Afrika, 7 % in Nordamerika und 8 % im Mittleren und Fernen Osten mit Australien und Neuseeland.
Die ressortmäßige Zuständigkeit (Ernennung von Konsuln, Berichtswesen) war bis 1867 auf verschiedene Zentralbehörden (Hofkriegsrat, Hofkommerzstelle, Staatskanzlei, Hofkammer, Handelsministerium, Küstenländisches Gubernium bzw. Seebehörde in Triest) abwechselnd verteilt, 1867 bis 1918 blieb das k.u.k. Ministerium des Äußern die leitende Stelle für das gesamte Konsularwesen, wobei das österreichische und ungarische Handelsministerium vor allem im Hinblick auf die handelspolitische Berichterstattung in der Praxis ressortzuständig waren. Im späten 19. Jahrhundert war das gesamte Konsularwesen in eine durchorganisierte Hierarchie eingebettet, das heißt Konsularämter waren in allen Angelegenheiten nicht direkt der Zentrale in Wien, sondern Generalkonsulaten oder Botschaften unterstellt.
Archivierungsgeschichte:Botschaftsarchive und vor allem Konsulatsarchive sind - wie schon der Zahlenvergleich zwischen den 137 heute vorhandenen Archiven und der Anzahl der 1914 existierenden Vertretungen zeigt - nur fragmentarisch überliefert. An Ursachen für die höchst lückenhafte Überlieferung sind Aktenausscheidungen vor Ort (vor allem hinsichtlich der Unterlagen betreffend Untertanenschutz, Matriken- und Paßwesen), Zerstörungen durch äußere Umstände (Paris, Smyrna) oder die Tatsache anzuführen, dass eine Vielzahl von Konsulaten von ehrenamtlich tätigen ortsansässigen Geschäftsleuten geleitet wurde, die an einer geordneten Aktenführung und Rückführung der Archive nach Wien wenig Interesse zeigten. Weiters machten es die beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges vielfach rasch abgebrochenen diplomatischen Beziehungen vielfach unmöglich, das in den Vertretungen angesammelte Aktenmaterial rechtzeitig abzutransportieren; die politischen Akten wurden vielfach vernichtet, der Rest blieb der Verwahrung durch andere Staaten anheimgestellt. Nach dem Krieg mangelte es zunächst am Geld für einen Rücktransport, sodass man die Archive vorläufig ihrem Schicksal überließ oder den Nachfolgestaaten der Monarchie anbot; von letzterem Angebot machte etwa Italien Gebrauch. Im Jahr 1922 begann schließlich eine systematische Bergung, in deren Verlauf das Wichtigste gesichert werden konnte.

Angaben zu Inhalt und Struktur

Inhalt:137 Gesandtschafts- und Konsulatsarchive; die einzelnen Archive sind innerhalb der Gruppe nach Namen alphabetisch gegliedert - Adalia bis Yokohama.
Gemäß Aufgabenstellung von diplomatischen Vertretungen und Konsularämtern finden sich in diesen Archiven Unterlagen über die außenpolitischen Beziehungen, wobei neben die amtliche auch die oft üppige Privatkorrespondenz der Botschafter tritt. Systematisch ergänzen die Dokumente der Gesandtschafts- und Konsulatsarchive oftmals jene der außenpolitischen Zentralbehörden in Wien: Für den Forscher ist es in so manchem Fall aktenkundlich interessant, Berichtskonzepte in mehrfacher Korrektur und Ergänzung sowie Beilagen vorzufinden, die in den Akten der Zentralbehörden nicht mehr vorhanden sind.
Generell sind Archive von diplomatischen Vertretungen vollständiger erhalten als Konsulatsarchive, Archive etwa von Konsulaten in Nord- und Südamerika sind besonders spärlich überliefert bzw. fehlen fast vollständig. Die Mehrzahl der heute vorhandenen Archive betrifft Vertretungen in Europa. Mengenmäßig bedeutende Botschaftsarchive wie etwa Berlin, Madrid, “Rom-Vatikan” (Vertretung beim Heiligen Stuhl) und Stockholm reichen weit ins 18. Jahrhundert zurück, der Großteil der Botschafts- und Konsulatsakten stammt jedoch aus der Zeit ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Reste von Botschafts- und Konsulatsarchiven sind in andere Serien eingereiht worden - Staatenabteilungen, Staatskanzlei, Reichskanzlei - oder sind in den Archiven ehemals vorgesetzter Behörden enthalten: So kann etwa im Gesandtschaftsarchiv Santiago die Amtstätigkeit von einzelnen Konsularämtern in Südamerika rekonstruiert werden.
Die Konsulatsarchive dokumentieren - abgesehen von jenen Fällen, wo Konsuln diplomatisch-repräsentative Aufgaben hatten - Handel und Schiffahrt, Handelsbeziehungen, Firmenauskünfte, enthalten Nachrichten über die wirtschaftliche Situation in den jeweiligen Regionen und Ländern (auch in Form von regelmäßigen Jahresberichten), Unterlagen zur Ausübung konfessioneller Schutzrechte (Kultusprotektorat), zur Ausübung der Konsulargerichtsbarkeit und des Untertanenschutzes und des Matriken- und Paßwesens. Ab dem späten 19. Jahrhundert überwiegen generell handels- und wirtschaftspolitische Aufgaben der Vertretungsbehörden, wobei einzelne Archive wie das Gesandtschaftsarchiv Bern als Propagandazentrale während des Ersten Weltkriegs oft durch spezielle Aufgabenstellungen geprägt sind.
Zu weiteren inhaltlichen Besonderheiten siehe die Angaben zu verwandtem Material.
Ordnung und Klassifikation:Die Ordnungsprinzipien der einzelnen Botschafts- und Konsulatsarchive variieren sehr stark; in den meisten Fällen existieren chronologisch gereihte Korrespondenzreihen (Berichte, Weisungen, Notenwechsel) vor allem für die (handels-) politischen Akten der diplomatischen Vertretungen. Die administrativen Akten (zum Beispiel Sanitätssachen, Paßakten, Organisationsakten, Miete bzw. Ankauf von Amtsgebäuden, Personalia und Verlassenschaften, Matriken, Schiffahrt, ...) sind in einigen Fällen in einfachen Zahlenregistraturen organisiert, zumeist sind diese nach dem Sachaktenprinzip oder im Rahmen von Aktenplan- oder Signatursystemen (Faszikulaturen, Rubriken) gelegt. Die Geschäftsbücher, soweit noch vorhanden, sind nur in wenigen Fällen (zum Beispiel Konsulat Jerusalem) für die Aufffindung und Benützung der Akten hilfreich.
Einige Gesandtschafts- und Konsulatsarchive sind zum Teil ungeordnet und daher nur beschränkt benützbar (Rom-Vatikan, Konstantinopel).

Angaben zur Benutzung

Zugangsbestimmungen:Der Bestand ist gemäß Bundesarchivgesetz (BGBl. I/162/1999) in Zusammenhang mit der Benutzerordnung des Österreichischen Staatsarchivs in der jeweils gültigen Fassung zugänglich.
Reproduktionsbestimmungen:Siehe Benützungsordnung des Österreichischen Staatsarchivs
Sprache:Deutsch, Französisch
Findhilfsmittel:Archivbehelfe der Signatur VII.
Die Archivbehelfe bieten zumeist eine Verzeichnung der Archivalien auf Kartonebene (Korrespondenzreihen). Die administrativen Akten sind oft detaillierter bis hin zu genauen Stückverzeichnissen erschlossen. Ein Großteil der Archivbehelfe ist elektronisch in Form von Word-Dateien verfügbar.

Angaben zu verwandtem Material

Orginale (Existenz, Aufbewahrungsort):1.) Haus- Hof- und Staatsarchiv:
Einige Gesandtschaftsarchive sind teilweise oder ganz im Politischen Archiv des Ministeriums des Äußern eingeteilt (Dresden, Stuttgart, Sankt Petersburg, Washington etc.).
Bei den politischen Akten vor 1848 und den administrativen Akten bis etwa 1860 ist zu beachten, dass sie aufgrund der im 19. Jahrhundert praktizierten Aufteilung/Durchmischung des außenpolitschen Materials vielfach in den verwandten Archivgruppen Staatenabteilungen und Staatskanzlei eingereiht sind.
Generell sind nicht nur bei den politischen Korrespondenzen, sondern auch bei administrativen Sachen als Ergänzung die Archivalien der Zentralstellen heranzuziehen; z.B. bei Bausachen bezüglich Botschaftsgebäuden neben den Gesandtschaftsarchiven auch die Überlieferung im Bestand Ministerium des Äußern, Administrative Registratur, Fach 6, Missionen.

2.) Weitere Archivabteilungen des Österreichischen Staatsarchivs:
Da für das Konsulatswesen neben dem aufgrund seiner diplomatischen und personell-disziplinarischen Agenden als letztzuständig akzeptierten Außenministerium zumindest zeitweise auch das Handelsministerium und das Finanzministerium - unter dem Gesichtspunkt Außenhandel - zuständig waren, findet sich in den entsprechenden Archivabteilungen des Österreichischen Staatsarchivs (Finanz- und Hofkammerarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv) weiteres Material.

3.) Ausländische Archive:
Aufgrund der schon erwähnten Umstände (Mitbertreuung österreichischer Konsulate durch andere Staaten, Ereignisse während/nach dem Ersten Weltkrieg) befinden sich manche Registraturen in ausländlischen Archiven.
Verwandtes Material:Haus-, Hof- und Staatsarchiv: Reichskanzlei, Große Korrespondenz, Staatskanzlei, Staatenabteilungen, Ministerium des Äßern/Politisches Archiv, Ministerium des Äußern/Administrative Registratur, Sonderbestände/Konsularakademie

Andere Archive: Finanz- und Hofkammerarchiv (Akten der Hofkommerzstelle/Kommerz), Allgemeines Verwaltungsarchiv (Handel), Archiv der Republik (Neues Politisches Archiv, Neue Administrative Registratur), Archivio di Stato Trieste (Intendanza Commerciale, Governo del Litorale, Governo Centrale Marittimo)
Veröffentlichungen:Mayr, Josef Karl: Gesandtschaftsarchive. In: Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (= Inventare österreichischer staatlicher Archive V,4, Hg. Ludwig Bittner, Band 1,3, Wien 1936) 469-508.
Agstner, Rudolf: Österreich (-Ungarn) und sein (Honorar-) Konsularwesen. In: ders., 130 Jahre Österreichische Botschaft Berlin. Handbuch der Vertretungsbehörden von Österreich (-Ungarn) in Deutschland seit 1720 (Berlin/Wien 2003) 123-136.
Kammerhofer, Leopold: Das Konsularwesen der Habsburgermonarchie 1752-1918. Ein Überblick mit Schwerpunkt auf Südosteuropa. In: Der Weg führt über Österreich. Zur Geschichte des Verkehrs- und Nachrichtenwesens von und nach Südosteuropa (18. Jh. bis zur Gegenwart), Hg. Harald Heppner (=Zur Kunde Südosteuropas II/21, Wien/Köln/Weimar 1996) 7-35.
Malfatti di Monte Tretto, Josef Ritter von: Handbuch des österreichisch-ungarischen Consularwesens (Wien 1879, 2. Aufl. 1904).
Matsch, Erwin: Der Auswärtige Dienst von Österreich (-Ungarn) 1720-1920 (Wien/ Köln/Graz 1986) 105-180. Mit Listen der Missionschefs nach Staaten seit 1720.
Ludwig Bittner, Lothar Groß, Friedrich Hausmann, Otto Friedrich Winter (Hg.): Repertorium der diplomatischen Vertreter aller Länder (1648-1815), 3 Bände (Berlin/Zürich/Graz 1936-1965).
Pfusterschmid-Hardtenstein, Heinrich: Von der Orientalischen Akademie zur k.u.k. Kosularakademie. Eine Maria-Theresianische Institution und ihre Bedeutung für den Auswärtigen Dienst der österreichisch-ungarischen Monarchie In: Die Habsburgermonarchie 1848-1918 (=Die Habsburgermonarchie im System der internationalen Beziehungen, Hg. Adam Wandruszka und Peter Urbanitsch VI/1, Wien 1989) 122-195.

(Aus der Fülle von Einzelpublikationen soll im Folgenden eine Auswahl an Übersichtswerken geboten werden. Veröffentlichungen zu einzelnen Vertretungen werden bei den einzelnen Archiven angeführt.)

Aerni Agathon und Rudolf Agstner: Von k.k. Gesandtschaft zur Österreichischen Botschaft. Festschrift 150 Jahre Österreichische Botschaft in Bern. Österreich (-Ungarn) und seine diplomatischen und konsularischen Vertretungsbehörden in der Schweiz und Liechtenstein (= Occasional Paper Sonderband, Hg. Diplomatische Akademie Wien, Wien 2000).
Agstner, Rudolf: Österreich Bulgarien. 125 Jahre diplomatische Beziehungen und 160 Jahre österreichische (österreichisch-ungarische) Vertretungsbehörden in Bulgarien (Veliko Trnovo 2004).
Agstner, Rudolf: Von der Moltkestraße zur Stauffenbergstraße. 130 Jahre Österreichische Botschaft Berlin. Handbuch der Vertretungsbehörden von Österreich (-Ungarn) in Deutschland seit 1720 (Berlin/Wien 2003).
Agstner, Rudolf: Die k.k. österreichischen bzw. k.u.k. österreichisch-ungarischen Konsulate in Italien und Malta 1752-1915. In: Römische Historische Mitteilungen 44 (2002) 509-552.
Agstner, Rudolf: Österreich im Kaukasus. Die Konsulate Batum, Tiflis und Baku 1849-1918 (= Occasional Paper 3, Hg. Diplomatische Akademie Wien, Wien 1999).
Agstner, Rudolf: Die diplomatische Präsenz der Habsburgermonarchie auf dem Balkan nach dem Berliner Kongreß - Zur Geschichte der k.u.k. Gesandtschaften in Belgrad, Bukarest, Cetinje, Durazzo und Sofia. In: Österreichische Osthefte 39, 1 (1997) 43-88.
Lehner, Georg: Beiträge zur Geschichte der k. (u.) k. Konsularvertretungen in China. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (Phil. Diss. Wien 1995).
Sauer, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27 (1974) 195-237.
Schmidl, Erwin A.: Zur Geschichte der k. (u.) k. Konsularvertretungen
im südlichen Afrika bis zum Ersten Weltkrieg. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38 (1985) 223–273.
Breycha-Vauthier, Arthur: Österreich in der Levante. Geschichte und Geschichten einer alten Freundschaft (Wien, München 1972). Mit einem Anhang mit Namenslisten der Missionschefs ab 1719 und der Konsularvertreter nach Städten ab 1763.
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:keine
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.1950
Erforderliche Bewilligung:Keine
Physische Benützbarkeit:Uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:http://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=710
 

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