AT-OeStA/HHStA KA Kabinettsarchiv, 1523-1918 (Bestandsgruppe)

Archive plan context


Information on identification

Ref. code:AT-OeStA/HHStA KA
Title:Kabinettsarchiv
Creation date(s):1523 - 1918
Creation date(s), remarks.:Die überwiegende Mehrheit der Bestände setzt im 18. Jahrhundert, meist mit der Zeit Maria Theresias, ein.
Level:Bestandsgruppe

Information on extent

Number:8800

Information on context

Administration history:Unter den Begriffen Kabinett oder Kabinettskanzlei verstand man in Österreich seit dem 18. Jahrhundert das persönliche Regierungsgemach des Herrschers und das daran angeschlossene Sekretariat. Einzelne vertraute Sekretäre, die den Herrschern bei der Ausübung ihrer Regierungs-, insbesondere Schreibgeschäfte dienten, gab es in der Habsburgermonarchie schon seit jeher - die Entwicklung zu einer eigentlichen Kabinettskanzlei, also einem wohlorganisierten Apparat der Monarchen für ihre unmittelbare, persönliche Herrschaftsausübung, setzte unter Maria Theresia ein. Aufgabe dieser Kanzlei war die Entgegennahme und Bearbeitung der direkt an den Monarchen gerichteten Eingaben und die Abfassung und Hinausgabe der von ihm ausgehenden Schriftstücke. Neben der Kabinettskanzlei mit ihren Referenten bedienten sich die Monarchen bei der Vorbereitung ihrer Beschlüsse auch zentraler Ratsbehörden. Diese durch ihre permanente Heranziehung zur Beratung und zur Erstellung von Fachgutachten einflußreichen Behörden hatten keinerlei Vollzugsgewalt, in ihrer zentralen Funktion an der Seite der Monarchen übten sie gleichwohl Regierungsfunktion aus. In der Bestandsgruppe Kabinettsarchiv werden - soweit erhalten - die Akten des 1760 gegründeten Staatsrats, der Staatskonferenz sowie - aus der Zeit nach 1848 - des Ministerrats, des Reichsrats (vor dessen Umwandlung in ein Parlament) und des jüngeren Staatsrats verwahrt.
Archival history:Die Registraturen der erwähnten Ratsbehörden kamen nach deren Auflassung an die Kabinettskanzlei und später von dort im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Schon 1848 wurde für das als eigenständiges Archiv eingerichtete Schriftgut des in diesem Jahr aufgelösten Staatsrats die Bezeichnung „Kabinettsarchiv“ verwendet. In der Kabinettskanzlei wurde dieser Begriff nach der erwähnten Aktenübergabe des Jahres 1868 wiederbelebt – intern unterschied man zwischen der sogenannten „älteren Kabinettsregistratur“, also den Akten des Staatsrats und der angeschlossenen weiteren Archive von Ratsbehörden bis 1868, und der bis ins Jahr 1918 weiter laufenden eigenen Registratur. Bis heute dient die Bezeichnung Kabinettsarchiv im Haus-, Hof- und Staatsarchiv als Sammelbezeichnung für diese beiden unterschiedlichen Aktengruppen, die zwischen 1886 und 1920 ins Archiv kamen.

Information on content and structure

Content:Charakteristisch für die Bestandsgruppe Kabinettsarchiv ist die ungemeine Materialvielfalt, die sich daraus ergibt, dass das verbindende Element der Schriftstücke dieser Gruppe alleine im engeren oder weiteren Bezug zum kaiserlichen Kabinett besteht. Es handelt sich um all jene Gegenstände, die von solcher Bedeutung waren, dass sie dem Kaiser persönlich zur Resolution vorgelegt wurden.
Inhaltlich geht es in der Regel - also nicht nur - um Angelegenheiten der inneren Verwaltung der Donaumonarchie. Seit 1853 wurden die militärischen Angelegenheiten von der neu errichteten Militär(zentral)kanzlei, nicht mehr von der Kabinettskanzlei, erledigt.
Neben einigen älteren Beständen gemischter Provenienz setzt sich die Bestandsgruppe aus den Dokumenten, die in der Kabinettskanzlei selbst entstanden sind, und aus den Registraturen jener Ratsstellen zusammen, die die Entscheidungen der Monarchen mit ihren Gutachten vorbereiteten.

Alte Kabinettsakten
Kaiser-Franz-Akten
Vertrauliche Akten
Bittschriften (an Kaiserin Karolina Augusta)
Zentralinformationsprotokolle
Kabinettskanzlei
- Akten
- Vorträge (M.R.-, M.C.-, K.Z.-Akten)
- Österreichische Ministerratsprotokolle
- Ungarische Ministerratsprotokolle
- Kurrent-Billette (Handschreiben)
- Separat-Billette (-akten)
- Korrespondenzakten
- Bittschriften
- Protokolle und Indices
- Geheimakten (mit Nachlaß Schwarzenberg)
- Varia
- Direktionsakten
- Organisationsakten
- Kabinettskassa
- Nachlässe (Baldacci, Braun, Gervay, Ehg. Karl, Kaunitz, Keeß, Kempen, Khevenhüller, Kolbielsky, Kolowrat, Kressel, Kübeck, Latour, Ehg. Ludwig, Nenny, Pergen, Pfleger, Pilgram, Ehg. Rainer, Reichenstein, Revicky, Zinzendorf)
Staatsrat
- Protokolle, Indices, Akten
- Patente und Zirkulare
- Kaunitz-Voten
- Minister-Kolowrat-Akten
- Kollerakten
- Nachlaß Lacy
- Faßbenderakten
- Nachlass Kutschera
Staatskonferenz
Ministerkonferenzbüro
Reichsrat (und Verstärkter Reichsrat)
Jüngerer Staatsrat
Generaladjutantur/Gendarmeriedepartement
Studienrevisionshofkommission
Militärgouvernement Wien
System of arrangement:Die Mehrheit der Aktenbestände des Kabinettsarchivs besteht aus Nummernregistraturen, das bedeutet, die einzelnen Dokumente sind unabhängig von ihrem Betreff nach Nummern fortlaufend abgelegt. Zur inhaltlichen Erschließung dienen die zeitgenössischen, jährlich geführten Kanzlei-Geschäftsbücher, genannt Protokolle und Indices. Anhand des alphabetisch nach Sachen und Namen geführten Index kann man gezielt zu den Aktenzahlen (= Nummern in der Ablage) von Dokumenten zu bestimmten Betreffen gelangen. Die Protokollbände listen die Geschäftsstücke mit kurzen Angaben zu Datum, Aktenbetreff und Inhalt der kaiserlichen Resolutionen in der Reihenfolge ihrer Nummern auf.
Die restlichen Bestände sind nach inhaltlichen Gesichtspunkten geordnet. Ihrer Erschließung dienen diverse Verzeichnisse (siehe unten).

Conditions of access and use

Finding aids:Archivinformationssystem AIS; Archivbehelfe der Signatur XI (im Lesesaal des HHStA); Gesamtinventar des HHStA (siehe Literaturangaben); zeitgenössische Geschäftsbücher (Indices, Protokolle) zu den einzelnen Aktenreihen.
Für den Bestand "Kabinettskanzlei Vorträge" stehen demnächst alle Indexbände (Jahrgänge 1848-1918) in Form von Scankopien online in der Datenbank AIS zur Verfügung; siehe AIS/Archivplansuche/ÖStA/HHStA/Kabinettsarchiv/Kabinettskanzlei/Vorträge. Die Bestellung der Bände und Einsichtnahme im Archiv erübrigt sich damit, da die Aktenzahlen und somit Akten-Bestellsignaturen direkt online ermittelt werden können. Weiters vollständig online zur Verfügung stehen scans der Indices und Protokolle zu den Staatsratsakten der Jahre 1761-1816, siehe AIS ebd./Kabinettsarchiv/Staatsrat/Protokolle und Indices. Die bereits eingescannten Bände können somit geschont werden: Aus konservatorischen Gründen stehen sie nicht mehr zur Bestellung/Ausgabe im Lesesaal zur Verfügung.

Information on related materials

Related material:Innerhalb des HHStA vor allem: Habsburgisch-Lothringische Hausarchive, insbesondere das Hausarchiv im engeren Sinn; Hofarchive; Privat- und Familienfonde; Sonderbestände.
Alle weiteren historischen Abteilungen des Österreichischen Staatsarchivs.
Publications:Reinöhl, Fritz: Kabinettsarchiv. In: Gesamtinventar des Haus-, Hof- und Staatsarchivs (= Inventare österreichischer staatlicher Archive 5/4, Hg. Ludwig Bittner, Band 2, Wien 1937) 114-272.
Benard, Anne-Gaëlle: Guide des Archives Nationales Autrichiennes à l´usage du lecteur francophone (= Mitteilungen des österreichischen Staatsarchivs, Inventare 1, Wien 1995) 47-50.
Coreth, Anna: Das Schicksal des k.k. Kabinettsarchivs seit 1945. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11 (Wien 1958) 514-525.
Gonsa, Gerhard: Das kaiserliche Kabinett. In: Verwaltungsgeschichte der Habsburgermonarchie in der Frühen Neuzeit (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband 62/1/1, Wien 2019) 541-550.
Reinöhl, Fritz: Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (= Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs Ergänzungsband 7, Wien 1963).

Weiteres siehe unter den einzelnen Beständen.
 

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Usage

End of term of protection:12/31/1948
Permission required:Keine
Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Öffentlich
 

URL for this unit of description

URL:http://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=936
 

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